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Präventionstag im Zeichen der Aufklärung über AIDS

Justizminister Volkmar Schöneburg eröffnet Präventionstag an der Heinz-Sielmann-Oberschule mit einem Referat: Strafverfolgung von Homosexuellen – Justizunrecht seit Jahrtausenden.

Dr. Volkmar Schöneburg, Justizminister des Landes Brandenburg

Präventionstage stehen in der Regel im Zeichen der Aufklärung über Drogenmissbrauch. Bislang ist jedoch der Aufklärung über die Gefahren von AIDS an der Oberschule in Elstal zu kurz gekommen.

Mit dem Thema AIDS ist allerdings auch ein anderes Thema verknüpft: Homosexualität. Viele Menschen wissen um diese Verknüpfung und benutzen gerade diese Verbindung dazu, die Gefahren von AIDS zu verdrängen. AIDS ist die Krankheit der Homosexuellen. AIDS ist die Krankheit der anderen. Natürlich ist das leider mehr als leichtsinnig.

AIDS ist für alle da; davon können vor allem die Südafrikaner ein Klagelied singen. Viele Unternehmen dort müssen ihre Stellen doppelt besetzen, weil sie eben damit rechnen müssen, dass einer der Stelleninhaber in sehr kurzer Zeit an AIDS verstirbt. Es geht also um ein todernstes Problem, und unsere Eventmanagerin, Frau Friedrich, war durchaus gut beraten, dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt zu haben, obwohl die Woche vor dem 1.12., der als der Welt-AIDS-Tag gehandelt wird, schon mit Vorbereitungen für den Tag der offenen Tür, der zum gleichen Termin stattfinden sollte, angefüllt war.

Frau Friedrich hatte einen guten Verbündeten in Herrn Tobias Bank gefunden. Der Fraktionschef der Linken in der Wustermarker Gemeindevertretung ermöglichte einen Kontakt zu einer ungewöhnlichen Stelle, zum Justizminister des Landesbrandenburg, der es sich nicht nehmen ließ, den Präventionstag an der Heinz-Sielmann-Oberschule mit einem beachtenswerten Referat zu eröffnen.

Ungewöhnlich war dieses Referat in zweifacher Hinsicht. Dass ein Minister an der Oberschule erscheint, ist immer etwas Außergewöhnliches. Im Februar 2010 wohnte der damalige Bildungsminister Herr Ruprecht der Verleihung der Bildungsstipendien an unsere Jahrgangsbesten bei. Dass aber en Justizminister bei uns seine Aufwartung macht, das produzierte Erstaunen. Wir sind ja eine Schule und keine Strafvollzugsanstalt.

Erstaunlich war auch der Inhalt des Vortrages. Es ging um Justizgeschichte, ein Bereich, der an unserer Schule selten mit Akribie ausgeleuchtet wird, und dann ging es um einen Aspekt, der tatsächlich die Anwesenheit des höchsten Vertreters der Justizbehörde in jeder Hinsicht rechtfertigte: Es ging um die Rolle der Justiz bei der Strafverfolgung von Homosexuellen, im Besonderen natürlich um die Rolle der deutschen Justiz, die in diesem Bereich der Geschichte wie so oft keine rühmliche Rolle gespielt hatte.

Irgendwie bekam man als aufmerksamer Zuhörer das Gefühl, dass der Justizminister stellvertretend für die gesamte Justizgeschichte etwas gut machen wollte. Er stellte die Strafverfolgung der Homosexuellen als über Jahrtausende praktiziertes Unrecht dar, Unrecht, das  Menschen nur aufgrund eines einzigen Umstandes zugefügt wurde, aufgrund ihrer anderen sexuellen Orientierung.

Homosexuelle wurden zu gesellschaftlichen Außenseitern gemacht, sie wurden bei lebendigem Leibe verbrannt, vor allem zu dem Zeitpunkt, als das Christentum zur Staatsreligion aufsteigen konnte.

Herr Schöneburg führte aus, dass 1872 der § 175 des Reichsstrafgesetzbuches flächendeckend in ganz Deutschland eingeführt wurde, der „Unzucht“ unter Gleichgeschlechtlichen mit Gefängnisstrafe belegte.

Wenige Jahrzehnte später entstanden während der Weimarer Republik die ersten Protestbewegungen gegen den § 175. An führender Stelle stand ein Mann namens Magnus Hirschfeld, der in seinen Schriften nachweisen konnte, dass Homosexualität keine Perversion ist, die eventuell therapierbar wäre, sondern um eine angeborene sexuelle Präferenz. Seinem gesellschaftspolitischen Engagement ist es zu verdanken, dass 1929 im Reichstagsausschuss für die Abschaffung des § 175 votiert wurde.

In den Zwanziger- und den frühen Dreißigerjahren der Weimarer Republik entstanden in Deutschland die fortschrittlichsten und emanzipatorisch weitest führenden pädagogischen Reformbewegungen, die natürlich nach der Machtergreifung der Hitlerfaschisten 1933 ein jähes Ende fanden. Natürlich ergeht es der Reformbewegung um Magnus Hirschfeld ebenso. Die Nazis verschärfen sogar noch den § 175: Allein ein Kuss oder eine zärtliche Handbewegung reichen aus, um Homosexuelle ins Gefängnis zu bringen, später landen sie im KZ, müssen dort das „rosarote Dreieck“ tragen und kommen zu Tausenden ums Leben. Ironie der Geschichte: Nicht wenige Nazigrößen waren homosexuell( Z.B. Röhn). Selbst Hitler wurde nachgesagt, dass er besonders auf Männer eine erotische Ausstrahlung ausübte. (Albert Speer).

Endlich 1994 wurde der unsägliche Paragraph aus dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik gestrichen. Heute ist die öffentliche Diskussion vor allem von dem Gedanken der Gleichstellung von geleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften mit der bürgerlichen heterosexuellen Ehe geprägt.

Dass sich das konservative Lager, das die heterosexuelle Ehe als „gottgewollte“ Form des Zusammenlebens allein favorisiert, mit dieser Gleichstellung schwer tut, nimmt nicht Wunder. Aber hier ist viel in Bewegung geraten.
Wenngleich dem Vortrag des Justizministers einen hervorragenden Stellenwert zukommt, so war das natürlich nicht der einzige Programmpunkt des Präventionstages. Die weiterführende Präventionsarbeit vollzog sich im Anschluss an die Auftaktveranstaltung in den Klassenräumen der zehnten Klassen.

Frau Zuzanna Paduch vom Gesundheitsamt Falkensee, zuständig für Schwangeren- und AIDS-beratung bearbeitete mit Unterstützung ihrer Fachkollegin Frau Sarah Kobauer in den jeweiligen zehnten Klassen die Gefahren der heimtückischen Immunschwächekrankheit. (Die MAZ berichtete am 1.12.2012 in einem umfangreichen Artikel über die Aufklärungsaktion vom 29.11.2012: „Lieber mit Lümmeltüte – Tipps für sicheren Sex und Schutz vor Krankheit“ von Annett Lahn.)

Am Ende der Auftaktveranstaltung erfuhr die Schulleitung der Heinz-Sielmann-Oberschule noch eine aufmunternde Geste von Seiten der anwesenden Gemeindevertretern der Partei „die Linke“. Frau Sabine Stoll, Ortsvorsteherin von Elstal überreichte zusammen mit Tobias Bank, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Wustermarker Gemeindevertretung der Schulleitung eine „Mutmacher Urkunde“, in dem die Fraktion „die Linke“ versichert, sich für den abschließenden Ausbau der Oberschule mit allem Nachdruck einzusetzen. Kein leeres Versprechen, wie es sich zeigt, denn die Ausbauarbeiten im Naturwissenschaftshaus (zweites Stockwerk) gehen zügig voran, so dass mit großer Sicherheit zu Beginn des Schuljahres 2013/2014 der Unterricht in den neueingerichteten Chemie-,  Physik- und Bioräumen aufgenommen werden kann.

Elstal, den 05.01.2013
G.Stängle

Wichtige Veranstaltungen werden natürlich immer durch ein paar Reden eröffnet.
Neben dem Justizminister ergriffen auch unsere Schulleiterin Frau Dr. Scharschmidt...

... und der Bürgermeister der Gemeinde Wustermark Holger Schreiber das Wort.

Zu Gast und aktiv an diesem Tag (v.l.n.r.):
Zuzanne Paduch und Sarah Kobauer (Referentinnen von der Außenstelle des Gesundheitsamtes Falkensee), Sabine Stoll (Ortsvorsteherin des Ortsteils Elstal), Holger Schreiber (Bürgermeister der Gemeinde Wustermark), Tobias Bank (Fraktionsvorsitzender der Linken in der Gemeindevertretung Wustermark)

Die Schüler unserer drei 10. Klassen lauschten den Reden ...

... und dem kleinen Programm.

Jasmin Holfert (9b) mit der Querflöte

Tobias Weidner (7b) an der Gitarre

Sabine Stoll und Tobias Bank (Die Linke) überreichten eine "Mutmacher-Urkunde".

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