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Magali was here

Wenn die Rede auf Frankreich kommt, dann entwickeln die meisten Menschen klischeehafte Vorstellungen. Es wird natürlich der unvermeidliche Eiffelturm genannt, das Stangenbrot, eine Übersetzung, die Kopfschütteln erzeugt. Ach so, Baguette! Alles klar! Es folgen Rotwein, Brie und Camembert und der nicht Tod zu kriegende Mythos von Paris, Stadt der Liebe, als könnte man sich in Wagadugu (Burkina Faso) nicht auch lieben.

Natürlich wollen wir Deutsche, oder bleiben wir mal bescheidener, wir Brandenburger uns auch nicht auf Kassler, Sauerkraut, Pellkartoffeln und Broiler oder auf den Titel „Streusandbüchse Preußens“ (Kleine DDR) reduzieren lassen, und das Gleiche gilt auch für unseren ehemaligen „Erbfeind“ (Na? Warum haben wir denn in Berlin ne Goldelse?), den Franzosen: Eiffelturm, Baguette und Rotwein, das ist einfach zu wenig.
Brandenburg ist verdammt weit weg von Frankreich!

Die Schwaben und Badenser haben eine gemeinsame Grenze mit den Franzosen, dennoch wollen die als besonders geschäftstüchtig verschrienen „Häuslebauer“ lieber Englisch als erste Fremdsprache und auf keinen Fall Französisch! (Das sind die Streber, die jetzt schon im voraus eilenden Gehorsam Export orientiert denken! Wie wär es denn mit Chinesisch oder Urdu als erster Fremdsprache?)
Um auf die Brandenburger zurück zu kommen:  Der „Alte Fritz“ sprach besser Französisch als Deutsch, und viele Angehörige der preußischen Geisteswelt hatten ihre Wurzeln in Frankreich. Und wie heißt doch gleich der neue Verteidigungsminister? De Maizière! Klingt ganz „doll“ französisch!

Es ist bekannt, dass Angela und Nicolas Sarkozy gut mit einander können. Zumindest sieht es so aus. (In meiner Schulzeit las man eine französische Lektüre mit dem Titel: Le petit Nicolas!) Aber Französisch ist deshalb noch lange nicht die Wunschsprache Nummer eins der vielen brandenburgischen Schüler. Eine Siebtklässlerin: „Ich habe Französisch gewählt, weil es so eine schöne Sprache ist! – Meint meine Mutter!“ – Schöne Sprache? Ich sage ein oder zwei Sätze auf Französisch und ein Junge blickt angewidert auf die Seite.“ Das hört sich irgendwie schwul an“, meint er dann herablassend und observiert von jetzt an umso aufmerksamer meine Bewegungen. Eh! Ich finde diese „message“ voll krass!

Kurzum! Das französische Pflänzchen, das eigentlich tief verwurzelt sein müsste in Brandenburg, bedarf der Pflege. Bedarf intensiver Pflege, und Magali Barthier ist solch eine Gärtnerin, die im Auftrage des „Institut Français“ – eine mit dem Goetheinstitut vergleichbare Einrichtung – verschiedene Schulen aufsucht, um – nein, nicht für ein irgendwie ideologisch verbrämtes Franzosentum zu wirken, (das wäre ja ganz uneuropäisch!) sondern um Spaß am Erlernen der französischen Sprache zu vermitteln! Lernen und Spaß? Hm, wer kann heutzutage schon Spaß vertragen?

Hier sehen wir also Magali in der Aula der Oberschule Elstal. Es ist der 16.Mai, ein ganz normaler Montag. Um sie herum haben die Kursschüler der drei achten Klassen einen Stuhlkreis gebildet. Man kennt sich noch nicht, aber das wird sich schon ändern.
Zunächst sammelt Magali  alle möglichen Aussagen, die die Schüler auf Französisch aufsagen können. Dann stehen alle auf und jeder muss drei Aussagen auf Französisch treffen. Wer damit durch ist, darf sich wieder setzen. Das Dominospiel. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass Magali aus Lyon stammt und 26 Jahre alt ist. Sechsundzwanzig!!! Das Durchschnittsalter in unserem Lehrerkollegium ist über fünfzig! „Wer weiß etwas über Lyon“ – so die Frage von Magali. Ja, die Jungs! „Olympique Lyon! Die Fußballwelt unter sich! – Mir wäre jetzt spontan nur die Lyoner Wurst eingefallen.
Es werden zwei Gruppen gebildet, die sich „Kriegsnamen“, neudeutsch „Nicknames“ geben müssen. Die eine Gruppe heißt...na, wie wohl? Bingo! Baguette! Die andere ?- Darauf kommt der Leser nicht, denn dazu müsste er das Französischlehrbuch des ersten Lernjahres kennen.
In diesem Lehrbuch wird ein ganz neues Grundnahrungsmittel der neueren französischen Generation beschrieben, das nicht nur von Menschen, sondern auch von Hunden wie „Kiki“ (In Frankreich heißen wohl Hunderttausende von Hunde Kiki) über alle Maßen geschätzt wird: „Le Poulet“! Zu Deutsch: der „Broiler“.
Folglich heißt die Konkurrenzgruppe „le poulet“.
Nun geht es fröhlich zur Sache. Magali schreibt vier Stichwörter an die Tafel, die in vier verschiedenen „Chansons“ (Liedern)  auftauchen. Wie diese vier Stichwörter lauten, habe ich vergessen. Nur eins ist mir in Erinnerung geblieben: „Revolution“. (Das wäre ja auch zu unfranzösisch gewesen, wenn dieses Wort gefehlt hätte!)
Natürlich waren das nicht irgendwelche „Chansons“, sondern Beispiele für die im francophonen Kunstkreis typischen Trends. Countrymusic aus Quebec (Kanada), Rap aus dem Französisch sprechenden Afrika und Rock oder “Elektropop” aus Belgien. Das Vierte ist mir leider entfallen, siehe Altersdurchschnitt des Kollegiums.

Ohne Klischees geht es dann aber doch nicht. Wer das angesagte Stichwort im angespielten Chanson vernommen zu haben glaubte, der sollte sich in die Mitte des Kreises stürzen und eine – „Baskenmütze“ - erobern! Besser wäre gewesen, alle Beteiligten hätten sich Stahlhelme, nein, zeitgemäßer Fahrradhelme aufgesetzt.
Der Leser kann beruhigt sein: Es ging alles ohne Verluste ab.

Natürlich blieb es nicht bei den Stichwörtern. Die Schüler lernten noch etwas über die Francophonie“ (nicht zu verwechseln mit der „francophobie“ – ein Kalauer, der original aus dem Munde von Magali stammt!) und die Schüler staunten nicht schlecht, in wie vielen Ländern Französisch als Amtssprache gesprochen wird. Eines davon hatte unlängst Schlagzeilen in der Presse gemacht. (Le Sénégal: Blutiger Machtkampf zwischen zwei Präsidentenkandidaten.)

Zum Ausklang stellte Magali den Achtklässlern eine Auswahl an Werbeclips vor, an Hand deren die Schüler die Produkte beschreiben und am Ende eine Wertung über den Clip abgeben mussten. (Auf Französisch versteht sich!)
Dieser Teil kam sehr gut an, weil die Filmclips sehr amüsant gestaltet waren.
Ach ja! Am Ende hatten die „poulets“ die „baguettes“ an Punkten überflügelt und konnten sich als Tagessieger feiern.

Den Tag darauf suchte ich das Gespräch mit den Achtklässlern. Die meisten fanden die Aktion lustig und unterhaltsam. Sie äußerten sich in der Mehrzahl positiv, gelangweilt hatte sich niemand, und Magali hatte sich am Ende der Veranstaltung auch anerkennend über die Schüler geäußert. Es hatte sie gefreut, dass alle Schüler mitgemacht haben. Das sei nicht bei allen Schulen so, meinte sie.

Vor wenigen Tagen erreichte mich die folgende Mail, die ich nun wortwörtlich zitieren möchte:
„Merci beaucoup pour les photos! Le pricipal est que les enfants aient été contents. Bien à vous ! Magali.
(Vielen Dank für die Fotos. Das Wichtigste ist, dass die Schüler/Kinder zufrieden waren. Alles Gute von Magali.)

G. Stängle

 

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