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Ein Stück des Theaterduos Monique Kreys und Alexander Matakas über die Schwierigkeit erwachsen zu werden

Der Titel des Zweimannstückes weist zwar auf die Alkoholproblematik hin; es handelt sich jedoch keineswegs um ein Stück, das den Alkoholkonsum moralisch bekämpfen will. Es geht viel mehr um die vielschichtigen Probleme, mit denen Jugendlichen in den Übergangsjahren zum Erwachsenenalter zu kämpfen haben.. Hier spielt der Alkoholkonsum natürlich eine bedeutende Rolle, er ist sozusagen die Sauce, in der alle Probleme schwimmen oder gar ertränkt werden können. Deshalb ist die Bierflasche während des 35-minütigen Stücks überall präsent.

Leon hat über seine Freundin etwas in Erfahrung gebracht, was sie in die Bedrouille bringen könnte. Er möchte eine Beziehung zu seiner Freundin aufbauen, weiß aber nicht, wie er das anstellen soll. Er ist scharf auf sie, aber sie zögert. Leon versucht aus seinem Wissen Kapital zu schlagen und startet einen Erpressungsversuch, der scheitert, aber dennoch zieht sich das Mädchen nicht zurück. Die Angst vieler Jugendlicher vor Mobbing konkret oder im Internet, ist ganz real!

Unsere Eltern sind zwar nie da, aber sie wissen immer alles besser. Sie leben ein Leben vor, das genauso elend und schwierig ist wie das der Heranwachenden, aber sie sind in einer besseren Position. Sie haben naturgemäß Recht. Das kann einen als Jugendlicher ganz schön aus der Fassung bringen.

Nein, hier geht es nicht um einen Alkoholtest, sondern um eine symbolische Handlung. Die Entwicklung der Jugendlichen wird hier mit einem Drahtseilakt verglichen.
Man ist ständig in Gefahr abzustürzen, man ist immer gefährdet und das verhindert es, dass die beiden jungen Menschen zu einander finden. Sie können sich sogar im Wege stehen.

Nun hat der Alkohol gesiegt; beide Jugendlichen fallen in einen unruhigen Schlaf; sie wird von einem aufreibenden Traum heimgesucht, den sie ihrem Kumpel jedoch noch nicht mitteilen möchte. Sie kann sich ihm nicht  vertrauensvoll öffnen, weil sie sich selber noch viel zu unsicher ist.

Fünf Klassen der Stufen 7 und 8 verfolgten im ersten Durchgang das Theaterstück. Für  die neuen siebten Klassen stellte Das Theaterstück noch eine zu große Herausforderung dar.

Während der Diskussion im Anschluss an das Theaterstück. Einige Mädchen der achten Jahrgangsstufe fanden, dass das Stück die Probleme einfach zu „krass“ schilderte. Sie fühlten sich in dem Stück ja angesprochen, aber in Wirklichkeit seien die Probleme nicht so übertrieben.

Ein Theaterstück lebt eben auch von der thematischen Überhöhung, deshalb würden eben viele Themen gebündelt und auch übertrieben hervorgehoben. Die Diskussion ist das eigentliche Ziel des Stückes oder, wenn man so will, die ständige Auseinandersetzung mit den vielen Themen.

Hier eine Sequenz aus dem zweiten Durchgang. “Komm doch einmal ganz ungeschminkt zur Schule! Weißt du denn überhaupt, wer du bist?“ – lautet der Vorwurf Leons an seine Freundin, die ihre Unsicherheit hinter einer Maske zu verstecken trachtet. Sie macht, was alle machen, nur um den allgemeinen Trend zu bedienen. Glücklich  ist sie damit aber nicht. Ihr Sweatshirt ist pink, das ist die angesagte Farbe, aber es ist nicht ihre Farbe. Es ist wie eine Tarnfarbe, hinter der sie sich unsichtbar machen kann.

Scheidungen kommen in den besten Familien vor. Die Frage ist nur, wie alle Beteiligten also auch die Kinder mit diesem Problem umgehen. Welche Lebensperspektiven eröffnen sich für die Kinder dadurch und was für Modelle für ihr eigenes spätere Leben können sie daran ableiten?
Verdienen die Erwachsenen überhaupt noch den Respekt, den sie immer wieder von ihrem Nachwuchs einfordern? Sie die Eltern eigentlich noch Faktoren, die auf die Heranwachsenden stabilisierend wirken?

„Zickezacke, Zickezacke, hoihoi.!“ Diese Gegröhle ist die männliche Variante, um besonders cool und abgebrüht zu erscheinen. Das Getue ist unüberhörbar und dafür umso lästiger. Leon kann mit diesem Affentheater bei seiner Freundin nicht punkten. Aber er würde sie so liebend gerne für sich gewinnen wollen!

Das Theaterstück bediente nicht die landläufigen Sehgewohnheiten. Immer wieder wurde die Spielhandlung unterbrochen, indem die Schauspieler eine zusätzliche Spielebene andeuteten, in welcher sie Themen anschnitten, die im Widerspruch zu der vordergründig angelegten Spielhandlung zu stehen schienen. Hier geht es darum, wie die Gesellschaft den Alkoholkonsum verniedlicht. Dafür benutzen wir zahlreiche beschönigende Umschreibungen für die Verharmlosung eines riskanten Alkoholgenusses.

Hier hat das Schauspielerpaar die eigentliche Spielebene wieder einmal verlassen, um dem Publikum einen praktischen Tipp zu vermitteln. Für jenen, der sich bis in die Bewusstlosigkeit betrunken hat, kann eine stabile Seitenlage eine „lebensverlängernde Maßnahme“ bedeuten
Leon demonstriert die stabile Seitenlage an seiner Freundin. Die stabile Seitenlage verhindert, dass der Bewusstlose an seinem eigenen Erbrochenen erstickt.
Während der Diskussion mit den Schülern der Jahrgansstufen 9 und 10 wurde die Anregung laut, die Schule möge doch Ersthelferkurse auch für Schüler im Rahmen des Ganztagesbetriebes anbieten.

Für manche überraschend: Das Stück hatte keinen Knaller als Schluss, aber darin bestand gar nicht der Anspruch des Stückes. Es sollte zur Auseinandersetzung einladen und das hat es allemal geleistet. In der anschließenden Diskussion wünschten sich einige Schüler mehr Darsteller auf der Bühne, damit die Handlung schwungvoller und interessanter gestaltet werden könne. Die Schauspieler regten auch an, dass die Schüler selber unter Anleitung von Profis ein Stück über ihre eigene Lebenswelt produzieren könnten. Darin hat die Schule eigentlich schon Erfahrung! Es sei nur an  die Vorarbeiten für „Emily in trouble“ 2009 erinnert.

Pressebericht: Märkische Allgemeine vom 31.08.2011