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Vorlesewettbewerb - Vorrunde

Ergebnisse der Vorrunde vom Donnerstag, dem 16.10.2014

„... and here are the results!“ Was für eine Überraschung. Tobias Drews hat in dieser Vorrunde mal nicht den ersten Platz belegt, sondern hat, um einen Vergleich mit der Fußballwelt zu bemühen, besser abgeschnitten als die Weltmeisterelf bei ihrem „Revanchespiel“ gegen Argentinien…
Ihm kam ein zweiter Platz zu, und das zählt im Rahmen der Vorrunde bekanntlich nicht viel, denn in dieser Runde kommen 7 Kandidaten weiter ungeachtet der Platzierung, die sie erzielen.
Sprechen wir über das weitere Kandidatenfeld, das diesmal – oh Wunder – von Bailey Rud angeführt wird, der sich mit einer geschickten Textauswahl und guter Performance an die Spitze gelesen hat. Dass die Textauswahl nicht ganz unwichtig ist für eine Nominierung für die Zwischenrunde, das hat sich schon einmal am 26.11.2009 während des 8. Vorlesewettbewerbs gezeigt, als Sarah Böhm, damals 7a, als Neuling mit einem Vortrag aus dem Buch „Männer sind peinlich...“ von Mario Barth sich blitzschnell in die Herzen der Jury katapultiert und dadurch auch besondere Erwartungen geweckt hatte, die sie bei den späteren Runden dann leider nicht erfüllen konnte. Das gilt natürlich für Bailey keinesfalls!

Bailey punktete mit einem Text von Eckart von Hirschhausen aus dem Band „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“, in dem die oftmals gemachte Alltagserfahrung bei der Kommunikation mit einem Telefonanbieter aufs Korn genommen wird: Man landet als Anrufer in einer Warteschleife, wird mit altertümlicher Musik ( Brandenburgische Konzerte oder Mozarts Türkischem Marsch!) eingelullt und lauscht der einschläfernd wiederholten Aufforderung: „Bitte warten“ oder das Ganze dann auf Englisch: „Please hold the line“, was man nicht so richtig versteht, weil man ja gerade ein schnurloses Telefon in der Hand hält. Kurzum: Texte, bei denen das Publikum und dazu gehören auch die Juroren schmunzeln muss, kommen eben gut rüber und sind meistens monologisch geprägt, was die Sache ein wenig vereinfacht. Vielleicht ist es dem einen oder anderen Kandidaten schon aufgefallen, dass wir in der Endrunde, wo ein Pflichttext ansteht, sehr oft Texte von Vladimir Kaminer lesen, die – in punkto satirischem Tiefgang nicht mit Hirschhausen vergleichbar – dennoch den Finalisten in Bezug auf den Humorfaktor entgegenkommen.

Bleiben wir bei der Textauswahl. Als eine Nummer zu groß erwies sich der Roman „Die Abenteuer des Werner Holt“ von Dieter Noll (1960) für Alexander Grün aus der 7a. Wer aus diesem Buch vorlesen will, muss schon ein erfahrener und sehr sicherer Vorleser sein. Bei Alexander stand in diesem Fall Ambition und Lesekompetenz leider in einem Missverhältnis. Das spürten sowohl die Juroren als auch das Publikum, das mit in die Wertung einbezogen worden ist. Alexander wurde leider nicht für die Zwischenrunde nominiert. Um es noch einmal zu betonen: Alexander wurde nicht deshalb nicht nominiert, weil er den falschen Text ausgewählt hatte, sondern weil er im Vergleich zu den anderen nicht gut genug vorgelesen hatte. Ein leichterer Text wäre für seine Lesekompetenz vorteilhafter gewesen.

Sprechen wir über Sympathie. Bei jedem Wettbewerb spielt die Sympathie oder sagen wir es anders, die äußere Erscheinung, das Auftreten der Person eine Rolle. Das kann man beklagen, aber das ist eben so und heute, wo wir mediensüchtig geworden sind, mehr denn je.

Anlässlich der letzten Vorrunde von 2013 konnte ich an Hand des Schülervotums darlegen, dass bestimmte Schüler mit unangemessen hohen Sympathiewerten honoriert wurden, die es durch ihre tatsächliche Leistung nicht verdient hatten. Das spielte in diesem Durchgang eine geringere Rolle aber ist dennoch unterschwellig spürbar.
Für die Betroffenen stellt das – wie bei der Mobbing-Problematik übrigens auch – ein schier unlösbares Problem dar, weil diese Betroffenen aus ihrer Haut schlüpfen müssten, um besser „rüber“ zu kommen. Man kann von Inga nicht verlangen, dass sie plötzlich die aufgedrehte und spritzige bis überspannt wirkende Radiomoderatorin gibt. Sie muss ihren Weg eben finden; ich weiß, sehr leicht daher gesagt.
Andererseits gibt es durchaus Entwicklungspotential bei Stephanie, Sophia und Djamila. Jennifer lasse ich hier außen vor, weil sie bei diesem Durchgang mit einer Entschlossenheit angetreten ist, die eigentlich keinen Zweifel an ihrem weiteren Siegeszug aufkommen lassen wollte. Sie sicherte sich im Ton einer über jeden Elternwillen erhabenen Hortleiterin den vierten Platz innerhalb der Nominierung, d.h. einen Platz hinter Inga, womit leise angedeutet sein will, dass eine feste Stimme zwar gut, aber ein bisschen mehr Interpretation auch nicht schlecht wäre.(Ich weiß, sie sieht das ganz anders. Ist ja auch gut so.)

Sophie Pasch 8a ist schon zum zweiten Mal angetreten und an der Vorrunde gescheitert, was schade ist, weil sie es besser könnte und mit den lästigen Sympathiewerten nichts zu tun hat.
Wer aber antritt nach dem Motto: “Ach ja, ich soll hier mal was vorlesen oder so...“, bei dem kann man keinen „Siegeswillen“ erkennen, und da sind wir schon wieder beim 0:2 gegen Polen! (Ihre Textauswahl war exzellent!)

James und Lucas, der sehr großen Wert auf die korrekte Schreibweise seines Namens legt, seinerseits sich aber nicht immer ebenso korrekt verhält, sind für die Zwischenrunde nominiert worden. James hat schon in der Grundschule am Finale des dortigen Vorlesewettbewerbs teilgenommen; Lucas hat beim 12. Vorlesewettbewerb als Siebtklässler einen hervorragenden 2. Platz erklommen. Beide müssen jedoch für die kommenden Runden ihre Reserven noch einmal überprüfen, denn bei der gezeigten Leistung kommen sie an einer Jennifer oder Inga nicht vorbei, geschweige denn an Tobias, wenn er sich mal darauf besinnt, sich einen guten Tag zu gönnen. (Habe ich etwa Bailey vergessen zu erwähnen?)

Wenngleich man mit dieser Vorrunde ganz zufrieden sein kann, so bleibt trotz allem ein fader Geschmack hängen. Es geht um Djamila. Sie ist nun wiederholt zum Vorlesewettbewerb angetreten und konnte nie den von ihr erwarteten Erfolg einfahren. Zum Glück neigt sie nicht zu spektakulären Gefühlsausbrüchen, denn sonst wären uns die Trinkpäckchen, die es jedes Jahr gibt, um die Ohren geflogen. Man kann sogar sagen, dass sie sehr beherrscht mit ihrem wiederholten Misserfolg umgegangen ist, und das nötigt einem schon Bewunderung ab.

Djamila gehört für mich zu den „Guten“, weil sie eben gerne liest, viel liest und nicht zu der Fraktion von Zeitgenossen gehört, die im Laufe ihres Lebens genau vier Bücher in die Hand genommen haben und das keinesfalls freiwillig (ich sage bewusst nicht „gelesen“!): Das Austauschkind, Kleider machen Leute, die Welle und die große Flatter.*

Aber Lesen und Vorlesen sind unterschiedliche Disziplinen! Wir haben schon häufiger Leseratten kennen gelernt, die meterweise Bücher verschlungen hatten, beim Vorlesen jedoch nur bescheiden erfolgreich waren.

Dr. Eckart von Hirschhausen hätte jetzt eine feine Pointe gefunden, um den Leser am Ende doch noch versöhnlich zu stimmen. Er schreibt jedoch Satire, und wir Lehrer? Wir leben das Leben in unserer Schule, und da vergeht einem eben manchmal das Lachen oder der „gute Mut“, wenngleich es sehr viel Anlass für Satire gäbe. Spaß muss sein, wer aber kann ihn ertragen?

*Manchmal muss ein „Gag“ erklärt werden: Es handelt sich um die Pflichtlektüren im Fach Deutsch für die vier Jahrgänge unserer Schule.


Elstal, den 23.10.2014

Für die Jury
G.Stängle

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